Leerstand in Borghorst wird von CDU nicht hingenommen

Überraschend viele Interessierte waren zu diesem Themenabend der Borghorster CDU in das Hotel Lindenhof gekommen: Leerstand ohne Ende – Ende des Leerstands?  Sie wurden nicht enttäuscht, denn die geladenen Referenten stellten wichtige Informationen für die anschließende Diskussion vor. Christian Korte von der IHK Westfalen stellte die Situation des Borghorster Einzelhandels zunächst in überregionale Zusammenhänge: Der demografische Wandel führt landesweit zu einer Abnahme der Kaufkraft, bei leicht rückläufiger Einwohnerzahl in Steinfurt ist ein weiteres Absinken wahrscheinlich.  Während der Kaufkraftindex bundesweit bei 100 liegt, erweist er sich mit 90 in Steinfurt als  unterdurchschnittlich. Eine spürbare Konkurrenz für den Borghorster Einzelhandel stellt das z. T. durchaus attraktive Angebot der umliegenden Städte dar. Einen entscheidenden Einfluss übt der Online-Handel aus: So hat sich der Umsatz in diesem Bereich bundesweit von 15 auf fast 50 Milliarden Euro drastisch erhöht. Erstaunen rief bei den Gästen die Information hervor, dass auch die Anforderungen an die Verkaufsflächen deutlich gestiegen sind. So kamen Parfümerien im Jahre 1990 noch mit 150 bis 200 qm Fläche aus, heute werden 350 bis 600 qm für erforderlich gehalten. Die Mieten in Steinfurt liegen mit 6,15 Euro für Praxen und Büroräume und 8,01 Euro für Geschäfte des Einzelhandels unter den Mieten in den Umlandgemeinden, dennoch werden die Angebote freier Flächen seltener angefragt als im übrigen Kreis. Was tun? Aus den zahlreichen Ideen stachen besonders einige hervor: Auch kleinere Geschäfte müssen möglichst umgehend neben den traditionellen Ladenverkauf auch Online-Handel anbieten. Eigentümer sollten bei der Neubesetzung ihrer Geschäfte durch die Stadt unterstützt werden. Auswärtige Geschäftspartner sollten offensiv angesprochen werden. Immobilienpooling: Zusammenfassung von mehreren kleinen Läden zu größeren Flächeneinheiten. Christian Korte: „Outlet in der Innenstadt bedeutet Zulauf der Kunden für den übrigen Einzelhandel.“

Geschäftsführerin Marion Niebel sowie Karin Grawe von Smart e. V. in Steinfurt beleuchteten faktenreich die Situation des Borghorster Einzelhandels aus ihrer Arbeitserfahrung vor Ort. Spontaner, mit Beifall aufgenommener Vorschlag von Marion Niebel: „Ich werde die Inhaber dabei unterstützen, ihre Geschäfte bei Google Map für die Kundschaft sichtbar zu machen. Wer nicht im Internet auffindbar ist, existiert für viele potentielle Käufer nicht.“ In vielen Punkten konnten sich die beiden dem Referenten anschließen, wiesen jedoch darüber hinaus auf einen schwerwiegenden Sachverhalt hin: Steinfurt ist in den Augen vieler möglicher Investoren keine Stadt mit 34000 Einwohnern. Sie sehen darin meist einen Verbund von zwei Kleinstädten, was den Anreiz zum wirtschaftlichen Engagement vielfach verringert.

Viel Positives  sei aber schon erreicht worden: Durch gute Zusammenarbeit mit der Werbegemeinschaft konnte die Innenstadt belebt werden, u. a. durch neue und überarbeitete Veranstaltungen. Viele Einzelhändler zeigen den Willen zur Zusammenarbeit.  Außerdem ist Einsatz zur Verbesserung des Umfeldes gegeben (Z. B. Blumenkästen, Hexenhäuschen).

In der abschließenden Diskussion engagierten sich die Anwesenden mit konstruktiver Kritik und zahlreichen Vorschlägen. Günter Marquard, Vorsitzender der CDU Borghorst zeigte sich zufrieden: „Dieser Abend war für uns Kommunalpolitiker äußerst informativ.  Uns wurden Ideen vermittelt, an deren Umsetzung wir arbeiten werden. Eine lebendige, attraktive Borghorster Innenstadt muss unser Ziel bleiben. Wir bleiben dran.“