Gespräch mit Gunthild Gerling-Weidlich, Stellv. Vorsitzende CDU Steinfurt

Frau Gerling-Weidlich, Sie sind seit einigen Monaten stellvertretende Vorsitzende der aus den Ortsunionen Borghorst und Burgsteinfurt vereinigten CDU Steinfurt. Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen?

Insgesamt bekomme ich ausgesprochen gute Rückmeldungen. Es sind deutlich weniger Probleme spürbar als erwartet. Wichtig ist, Augenmerk darauf zu legen, dass es sich bei der Zusammenlegung beider Ortsverbände um einen Prozess handelt, den man sensibel gestalten muss. Wir sind auf einem guten Weg, der bergauf führt, personell für die Zukunft hervorragend aufgestellt.

Was motiviert Sie als Frau, sich heutzutage in der CDU zu engagieren?

Mich überzeugt das Menschenbild dieser Partei, das auch im Alltag erkennbare  christliche und demokratische Züge trägt. Die CDU betreibt eine praxisbezogene, realistische Politik, die sich nicht von Ideologien treiben lässt. Sie steht mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen und gibt damit von allen Parteien die überzeugendsten Antworten auf die Herausforderungen der Zeit. Natürlich spielt auch in unserer Partei das Quorum eine Rolle. Ich habe jedoch absolut nicht den Eindruck, eine „Quotenfrau“ zu sein, dagegen würde ich mich wehren. Ich fühle mich wegen überzeugender sachlicher Arbeit ernst genommen.

Vielfach wird Politikern vorgeworfen, sie hätten zu wenig Alltagserfahrung und damit den Kontakt zur Basis verloren. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Ich bin im Laufe meines Lebens durch so manchen Scheuersack gegangen und weiß ziemlich gut, was an der Basis los ist. Aufgewachsen bin ich auf einem Bauernhof und weiß, wo dem Münsterländer Landwirt der Schuh drückt. Dann habe ich ein Ingenieurstudium zur Diplom-Ingenieurin mit der Fachrichtung Architektur erfolgreich abgeschlossen. Als Architektin habe ich von der Pike auf gelernt, worauf es im Bauwesen und in der Städteplanung ankommt. Ich kenne den Weg von der Planzeichnung zum fertigen Bauwerk, bei dem alles zueinander passen und funktionieren muss. Nach einem erfolgreichen Studium in Sozialpädagogik arbeite ich seit Jahren mit jungen Menschen mit Behinderungen (Autismus, ADHS, Lernstörungen usw.)  zusammen, um sie auf den ersten Arbeitsmarkt erfolgreich vorzubereiten. Dabei ist es mir wichtig, dass die mir anvertrauten jungen Menschen mit Startschwierigkeiten im Berufsleben meine Vorschläge und Entscheidungen nachvollziehen können.  Bei dieser Arbeit  komme ich mit allen sozialen Schichten in Kontakt und die dabei erworbenen Kenntnisse schärfen meinen politischen Blick für die Nöte , die es auch in unserer bundesrepublikanischen Wohlstandsgesellschaft gibt.

Gab es Situationen in Ihrem Leben, in denen Sie beinahe aufgegeben hätten?

Nein, soweit ist es nie gekommen. Meine Mutter war Lehrerin und mein Vater Landwirt und beide haben mich so geprägt, dass es immer einen gangbaren Weg geben muss. Zugegeben, es gab Grenzsituationen. So habe ich über viele Monate lang eine schwer demenzkranke Dame von über neunzig Jahren gepflegt, häufig rund um die Uhr. Am ersten Tag wollte ich schmeißen, aber dann habe ich mich durchgekämpft. Wichtig war, dass ich der Frau an keiner Stelle meine persönliche Befindlichkeit spüren ließ. Wenn ich mich selbst kritisch beobachtete und meine Klientin sensibel im Blick behielt, ging es uns beiden gut.

Was ist aus Ihrer Sicht der größte Fehler im Politikgeschäft?

Viele Politikerinnen und Politiker haben in den letzten Jahrzehnten getan, als könnten sie alle defizitären gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche so gestalten, dass alle Beteiligten zufrieden sind. Ein solcher Anspruch ist eine Anmaßung und dient lediglich dem Ziel, kurzfristig Wählerstimmen zu ergattern. Irgendwann spürt die Wählerschaft, dass ihr Sand in die Augen gestreut worden ist und ist enttäuscht. Von der Enttäuschung zur Politikverdrossenheit ist nur ein kleiner Schritt. Unehrlichkeit ist der größte Fehler in der Politik. Ich will nur das versprechen, was ich auch halten kann. Und da lasse ich mich auch überprüfen.

Frau Gerling-Weidlich, Lokalpolitik ist ein kräftezehrendes Geschäft. Wo finden Sie Ausgleich und Erholung?

Mein Mann hält mir in vielerlei Hinsicht den Rücken frei. Ich fühle mich sehr mit der Natur und der Tierwelt verbunden. Lange Spaziergänge mit meinem Hund über den Buchenberg bringen mir immer wieder nachhaltige Portionen an Erholung.

Vielen Dank für dieses Gespräch!   Interview: Dieter Chilla